Bankliquidität neu gedacht: Kennzahlen, Regulierung und Zielkonflikte

Datum26. März 2026
KategoriePublic Discussion Notes
Bankliquidität neu gedacht: Kennzahlen, Regulierung und Zielkonflikte

In dieser Public Discussion Note mit dem Titel "Bankliquidität neu gedacht: Kennzahlen, Regulierung und Zielkonflikte" geben Prof. Andreas Fuster, SFI Senior Chair und Ausserordentlicher Professor für Finance an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, und Dr. Lucas Marc Fuhrer, Leiter des Zins- und Liquiditätsrisikomanagements bei PostFinance und Dozent an der Universität Zürich, einen prägnanten Überblick darüber, wie Bankliquidität gemessen und reguliert wird, welche Lehren sich aus jüngsten Ereignissen ziehen lassen und wie sich Liquiditätsrisiken künftig entwickeln könnten. Zudem teilen sie ihre Einschätzung zu aktuellen regulatorischen Debatten.

Die Autoren betonen die zentrale Rolle der Liquiditätstransformation im Bankwesen, die es Banken ermöglicht, Mehrwert für die Wirtschaft zu schaffen, sie zugleich jedoch anfällig für Bank Runs macht. Sie untersuchen, wie dieser inhärenten Anfälligkeit durch das Liquiditätsmanagement der Banken und durch regulatorische Anforderungen wie die Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) begegnet wird. Zugleich weisen sie darauf hin, dass solche Anforderungen, so sehr sie die Widerstandsfähigkeit der Banken auch gestärkt haben, keinen vollständigen Schutz vor allen Formen von Liquiditätsengpässen bieten können.

Ausgehend von jüngsten Ereignissen, darunter die Zusammenbrüche regionaler Banken in den Vereinigten Staaten im Jahr 2023 sowie der Zusammenbruch der Credit Suisse, verdeutlicht der Beitrag, wie rasch sich Liquiditätsengpässe materialisieren können, insbesondere in einem Umfeld, das durch digitales Banking und konzentrierte Einlegerstrukturen geprägt ist. Mit Blick nach vorn erörtern die Autoren, wie sich Liquiditätsrisiken durch Echtzeitzahlungen und neue Formen digitalen Geldes künftig verändern könnten.

Mit Blick auf die Politik plädieren die Autoren für einen ausgewogenen und vorausschauenden Ansatz, da alle Massnahmen mit Kosten und Nutzen verbunden sind und ihre Wechselwirkungen berücksichtigt werden müssen. Eine Verschärfung der Liquiditätsanforderungen kann zwar die Widerstandsfähigkeit stärken, zugleich jedoch die Finanzierungskosten erhöhen und die Kreditvergabe dämpfen. Neue Zentralbankfazilitäten, wie die Erweiterte Liquiditätsfazilität (ELF) der SNB, müssen sorgfältig ausgestaltet werden, sodass sie die marktbasierte Refinanzierung unterstützen und nicht ersetzen, und zugleich dazu beitragen, das mit ihrer Nutzung verbundene Stigma zu verringern. Eine Ausweitung der Einlagensicherung könnte das Risiko von Bank Runs verringern, müsste jedoch glaubwürdig finanziert sein. Schliesslich können privatwirtschaftliche Mechanismen überschüssige Liquidität innerhalb des Systems umverteilen und dazu beitragen, die Rolle des öffentlichen Sektors zu begrenzen. Solche Ansätze setzen jedoch geeignete Rahmenbedingungen voraus.


Insgesamt betont der Beitrag, dass es nicht möglich ist, das Liquiditätsrisiko zu beseitigen und zugleich die zentrale wirtschaftliche Rolle der Banken aufrechtzuerhalten. Ziel ist vielmehr, diese Risiken in einem sich ständig wandelnden Finanzsystem wirksamer zu steuern.

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