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Nicht-finanzielle Aspekte sind Anlegern wichtig

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Swiss Finance Institute
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Thursday, October 5, 2017 - 09:00

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Vom Enron-Skandal bis hin zum Bernie Madoff-Betrug: Unternehmensbetrug und Fehlverhalten von Managern haben in den letzten Jahrzehnten die Börsen und das Anlegervertrauen erschüttert. Die Oktober-Ausgabe der SFI Practitioner Roundups betrachtet zwei Elemente―die Ehrlichkeit von Managern und Corporate Governance―, welche für Anleger wichtig sind und deren Anlageentscheidungen beeinflussen.

Ist Anlegern die Ehrlichkeit von Managern wichtig?
Zahlreiche Initiativen und Regulierungen wurden lanciert, um Unternehmensbetrug und Fehlverhalten von Managern zu unterbinden. Aber ist weitere Regulierung wirklich der richtige Ansatz? Oder honorieren die Anleger ehrliche Unternehmenskulturen ohnehin, indem sie Anlageentscheidungen aufgrund der wahrgenommenen Ehrlichkeit des Managements treffen?

Die Swiss Finance Institute-Professoren Rajna Gibson Brandon von der Universität Genf und Alexander F. Wagner von der Universität Zürich, Dr. Matthias Sohn von der Zeppelin Universität und Professorin Carmen Tanner von der Universität Zürich nutzen ökonomische Experimente, um zu ermitteln, welche Rolle die wahrgenommene Ehrlichkeit des Managements bei Anlageentscheidungen spielt. Das Experiment zeigt, dass viele Anleger ethische Überlegungen über finanzielle Rendite stellen. Insgesamt entschieden sich 60% der Teilnehmenden am Experiment, in Unternehmen mit CEOs zu investieren, welche auf «Earnings Management» und somit auf die Chance für einen deutlich höheren Bonus verzichteten. Solche CEOs werden von Anlegern als ehrlicher wahrgenommen. Die Ergebnisse treffen sowohl auf eher eigennützig orientierte als auch eher sozial eingestellte Anleger zu, aber aufgrund von unterschiedlichen Motivationen. Eher eigennützig orientierte Anleger halten die Ankündigung zukünftiger Renditen für glaubwürdiger, wenn solche Aussagen von CEOs kommen, die als ehrlicher wahrgenommen werden. Eher sozial eingestellte Anleger gründen ihre Anlageentscheidungen direkt auf Moralvorstellungen und sind für Renditeversprechen im Grossen und Ganzen wenig empfänglich. Banken sollten die Bedeutung und die Rolle, welche die Ehrlichkeit der Manager spielt, bei der Auswahl der Finanzanlagen und der Zusammenstellung geeigneter Portfolios für ihre Kunden berücksichtigen. Die Unternehmen wiederum sollten sich vor Augen führen, dass sich die wahrgenommene Ehrlichkeit der Manager auf den Unternehmenswert auswirken kann. Insbesondere lassen die Ergebnisse vermuten, dass Unternehmen, deren CEOs als ehrlicher wahrgenommen werden, einen besseren Kapitalmarktzugang und somit niedrigere Kapitalkosten geniessen. Die Studie zeigt, dass es Sinn macht, bei der Rekrutierung von Topmanagern der Integrität eine zentrale Rolle einzuräumen.

Corporate-Governance-Aspekte bei Anlageentscheidungen berücksichtigen
Unternehmensskandale veranschaulichen, wieso Anleger die Art und Weise, wie Unternehmen strukturiert und kontrolliert sind, genau betrachten sollten. Christine Schmid, Head Investment Solutions bei der Swiss Universal Bank der Credit Suisse, sagt: «Die Analyse der Corporate Governance eines Unternehmens ist ein effektiver Ansatz für Anleger, um die Qualität eines Unternehmens und insbesondere die Frage, ob dessen langfristiger geschäftlicher Ansatz mit den eigenen Interessen in Einklang steht, zu beurteilen.» Wie aber berücksichtigen Anleger diese Faktoren bei ihren Entscheidungen im Kontext eines systematischen Anlageansatzes?

Eine im Jahr 2016 veröffentlichte Credit Suisse Research Institute Studie zeigt, dass  eine Anlagestrategie eine höhere Wertentwicklung aufweisen kann, wenn sie sich auf gut geführte Unternehmen in Sektoren, in denen Governance von besonderer Bedeutung ist, konzentriert. Anleger können beispielsweise in Long-Short-Portfolios investieren. Anleger nehmen dabei anhand der Governance-Gewichtung in den einzelnen Sektoren bei den höchsten 10 Prozent der Unternehmen einen Long-Ansatz ein und bei den untersten 10 Prozent einen Short-Ansatz. Anleger sollten sich auf gut geführte Unternehmen in Sektoren konzentrieren, in denen Governance früher eher als unwichtig galt, nun aber verstärkt im Fokus steht. Dies kann durch regulatorische Änderungen oder andere Situationen ausgelöst werden. Eine veränderte Governance-Wahrnehmung kann auch eine Frühwarnung darstellen, wie dies 2015 bei Volkswagen der Fall war. Solche Fälle zeigen, welche Vorteile es bringen kann und wie sehr es erforderlich ist, dass Anleger bei ihren Anlagestrategien Corporate-Governance-Aspekte berücksichtigen.

Lesen Sie die komplette Oktober-Ausgabe der SFI Practitioner Roundups hier.

Mehr zum Thema

  • Mehr zu Corporate Governance erfahren Sie im SFI White Paper «Corporate Governance: Beyond Best Practice» oder der Credit Suisse Research Institute Studie «How Corporate Governance Matters».
  • Vertiefen Sie Ihr Fachwissen im Bereich Corporate Governance mit unserem CAS in Banking mit einem Fokus auf Corporate Banking. Weiter Infos zum Lehrgang finden Sie hier.
  • Mehr zum Thema «What really motivates people to be honest in business», erfahren Sie im TED.com-Video mit SFI Prof. Alexander F. Wagner hier.